2007 – Performance im ZKM

5. JULI 2007

Zum achtzigsten Geburtstag von Herbert W. Franke wurde im Rahmen der Veranstaltungsreihe art meets science im Medientheater des Zentrum für Kunst und Medien | ZKM Karlsruhe die Hommage à E. M. nochmals im historischen Setting und dem Videosizer von Fairlight aufgeführt.

Dem dynamischen Moment der Bewegung kommt in vielen Formen der Kunst – nicht zuletzt im Tanz – tragende Bedeutung zu. Durch den Einsatz moderner Medien lassen sich dynamische Prozesse aus einer neuen Sicht heraus erfassen. Andeutungen dafür finden sich in den heute längst klassisch gewordenen Arbeiten von Eadweard Muybridge („E. M.“), der von ihm neu entwickelte fotografische Methoden anwandte, um Phasenbilder von motorischen Abläufen bei Mensch und Tier zu erhalten. Die Möglichkeiten analytischer Auseinandersetzung mit dem Phänomen „Bewegung“ werden durch moderne elektronische Geräte erheblich erweitert. Daraus ergeben sich neben der wissenschaftlichen Erkenntnis auch beachtliche ästhetische Momente.

In dieser Performance geht es dabei insbesondere um das daraus resultierende künstlerische Neuland. Einfache Elemente, beispielsweise Phasenaufnahmen und Spurenbilder, lassen sich zu Abläufen integrieren, die dem Vorbild – der Bewegung einer Tänzerin – eine neue Art von Bildfolgen, gleichsam ein „elektronisches Spiegelbild“, gegenüberstellen.

Das digitale Ballett hat den Charakter eines Experiments, in das nicht nur die Gestalter, sondern auch die Zuschauer einbezogen sind: Das geteilte Sichtfeld – Tanzbühne und Projektionsschirm – entspricht auch einer Zweiteilung der Aufmerksamkeit, die aber nicht beliebig, sondern durch die gestalterisch und technisch gegebenen Zusammenhänge andeutungsweise vorgegeben ist.

Die wichtigsten zum Einsatz kommenden technischen Geräte sind eine Videokamera, ein Bildverarbeitungscomputer, sowie ein Videoprojektor mit Rückprojektionswand. Durch die Videokamera wird die Bewegung der Tänzerin aufgenommen, in den Bildtransformator mit Echtzeit-Verarbeitung geleitet und gleichzeitig auf der Leinwand ausgegeben.

Bei der Ausarbeitung der Hommage à E. M. wurde bewusst auf eine narrative Ebene verzichtet: Die Darbietung soll ebenso wie der klassische freie Tanz durch den Kanon visueller und auditiver Abläufe wirken, die sich mit Hilfe der elektronischen Mittel zu einer höheren Einheit verbinden.

Die Performance gliedert sich in vier Teile, die durch die Stichworte Bewegungs-Analyse, Bewegungs-Abstraktion, Bewegungs-Synthese und zuletzt die Bewegungsmalerei. Im Video rechts ist dieser letzte Teil der Bewegungs-Malerei zu sehen.

Bewegungsanalyse: Ausgehend von einer von Eadweard Muybridge stammenden Bildserie werden einfachste Bewegungsabläufe über den Faktor Zeit dokumentiert.

Standfoto aus Bewegungsanalyse
Standfoto aus Bewegungsanalyse
Standfoto aus Bewegungsanalyse

Bewegungssynthese: Die zuvor für analytische Zwecke eingesetzten optischen Mittel bilden das ästhetische Material für die Gestaltung einer Choreographie, in der reale Tanzszenen und elektronisch transformierte Bildabläufe aufeinander bezogen zusammen wirken. Dabei wandelt sich auch die bisher abstrakte Klangmatrix in einen melodiösen Klangraum.

Standfoto aus Bewegungssynthese
Standfoto aus Bewegungssynthese
Standfoto aus Bewegungssynthese

Bewegungsmalerei: In letzter Konsequenz führt das neu gewonnene Repertoire an choreographischen Gestaltungsthemen zur Möglichkeit der Gestaltung bewegter Bilder durch den Tanz. Es entstehen „in den Raum geschriebene“ und zur Musik choreografierte Bilder.

Idee, Konzeption, Bildgestaltung:  Herbert W. Franke
Komponist: Klaus Netzle
Tänzerin: Gabriela Lang
Tanz-Dramaturgie und Regie: Susanne Päch
Technik-Supervisor: Christoph Grüner