Historische Zitate des Visionärs

  • „Man pflegt die Technik als kunstfeindliches Element abzutun. Dass sie das nicht ist, ja, dass sie uns sogar ungeahntes künstlerisches Neuland erschließt, will ich zu beweisen versuchen.“
  • „Bis auf wenige Ausnahmen haben […] alle mathematischen  Formeln, die physikalische Erscheinungen beschreiben, eine Eigenschaft, die die Mathematiker Stetigkeit nennen […] Kein Künstler könnte Linienschaaren […] anmutiger legen, als das eine stetige Kurvenschaar durch eine Art Selbstkontrolle automatisch besorgt.“
  • „Die Elektronengehirne […] geben uns […] ein Beispiel für den letzten Gipfel des analytischen Denksystems, das alles Wirkliche als Spezialfall alles Möglichen ansieht.“
  • „In Wirklichkeit wird nun die schöpferische Produktivität auf eine andere Ebene verlegt. Es ist nicht mehr ein unbewusstes dumpfes Wollen, sondern eine klare, bewusste Absicht, die zur Geltung drängt. Es wird nicht mehr der Stimmung und Intuition überlassen, welchen Charakter ein Werk erhält, sondern einer genauen, umfassenden Kenntnis der Gesetzmäßigkeiten.“
  • „Dem Künstler […] sind alle Möglichkeiten gleich gegenwärtig, und er sucht die heraus, die das zeigt, was ihm als Inkarnation seiner individuellen Sicht, seines Stils, der ihm angepassten Gesetzmäßigkeiten erscheint.“
  • „Man bemerkt oft das Bemühen der schöpferischen Geister, die in die neue Bahn eingeschwenkt sind, die Verwandtschaft der Technik mit ihren Ideen abzuleugnen. Das geschieht aus einer Angst heraus, man könnte ihnen die schöpferische Kraft absprechen. Meiner Meinung nach ist es völlig gleichgültig, welchen Werkzeuges sich ein Künstler bedient, eines Pinsels, einer Spritzpistole oder eines mathematischen Kalküls.“
  • „Es ist ein Gebiet, auf dem der Unterschied zwischen schöpferischem Akt und mathematischem Kalkül zu verfließen scheint. Es ist das Gebiet des analytischen Denkens in seiner letzten Konsequenz.“
  • „Vieldimensionale Gebilde, von denen man weiß, daß sie von höchster Ästhetik sind, obwohl man sie niemals bauen, ja nicht einmal sich vorstellen kann.“
  • „Die Bilder sind aber auch echte Ausdrucksmittel unseres Zeitalters der Atome und Raketen. Sie faszinieren durch eine geometrische Schönheit, die kalt und nüchtern ist, aber auch durch die unvorstellbaren Kräfte der physikalischen Vorgänge, die hinter ihnen stecken. Man fragt sich, was geschieht, wenn man eine solche Apparatur mit einem elektronischen Steuerungsautomaten koppelt. Erhalten wir dann synthetische Kunst?“
  • „Wir stehen erst am Beginn von neuen grafischen Methoden, die von Automaten und Maschinen beherrscht sein werden.“
  • „Prinzipien für Kunstmaschinen:
    Geringe manuelle Schwierigkeiten
    Hohe Produktivität
    Reiche Variationsmöglichkeiten
    Möglichkeit ständiger Kontrolle
    Formelmäßige Beschreibbarkeit
    Präzision, hohes Auflösungsvermögen
    Möglichkeit der Reproduktion
    Möglichkeit der Vervielfältigung“
  • „Es ist bemerkenswert, dass die Absicht, den kunstproduzierenden Prozess auf Maschinen abzustimmen, zur Erarbeitung eines neuen Denksystems führt, das auch unabhängig von einer maschinellen Verwendung wertvoll und aufschlussreich ist. Dabei verlagert sich der kreative Prozess wie bei vielen auf Computerverarbeitung ausgerichteten Aufgaben in die Phase des Programmierens.“
  • „An die Stelle des manuell arbeitenden Künstlers tritt der Konstrukteur, der Ingenieur. Der Effekt des Kunstwerkes wird steuerbar.“
  • „Wenn man anerkennt, dass der Herstellungsprozess von Kunstwerken formalisierbar, mathematisierbar und programmierbar ist, bleibt nichts von jenem Geheimnis übrig, das früher mit Kunst verbunden war.“
  • „Es ist bemerkenswert, dass kybernetische Modelle, die kreative Prozesse simulieren sollen, eine Art nichtklassischer Maschine, einen Zufallsgenerator benötigen. Zufallsprozesse scheinen die kybernetische Entsprechung schöpferischer Vorgänge zu sein. Demgemäß spielen Randomverteilungen eine große Rolle im Kunstwerk — und zwar sowohl bei seiner Produktion wie bei seiner Konsumation.“
  • „Der Computer zwingt die Kunst zu einem Sprung von der Steinzeit in das Computer-Zeitalter.“ 
  • „Ein Ziel zu erreichen ist immer ein Verlust. Man muss ihn hinnehmen, versuchen, sich wiederzufinden, sich einzugliedern in neues funktionelles Geschehen, ohne dass man nackt und hilflos ist.“
  • „Das System lässt keine Überraschung zu. Überraschung ist Ausdruck partieller Unkenntnis. Überraschung weist auf Mangel von Wissen hin, deutet Leerstellen an. Bisher hatten sie keine Leerstellen festgestellt.“
  • „Im Unterschied zu klassischen Maschinen, die Energie umsetzen, verarbeitet der Computer Information. Er ist ein Mittel zur Konzeption struktureller Ordnung.“
  • „Neueste Forschungsergebnisse lassen vermuten, daß der Schlüssel zur Kunst im Bereich der Wahrnehmungs- und Denkphänomene liegt.“
  • „Der Zufallsgenerator ist das kybernetische Modell eines Organismus mit Intuition.“
  • „Man kann es (das Programm) als eine Art  Notenschrift ansehen – eine Notenschrift, nah der der Zeichenautomat seine Zeichnung ausführt. Genauso wie in der Musik wird hier deutlich, dass der eigentliche Wert des Kunstwerks nicht im Realisat, sondern in der Konzeption steckt: ihre Träger ist das Programm.“
  • „Der Zufall kann geplant werden, die Störung wird ein Faktor der Strategie.“
  • „Sieht man die Besonderheit der Computergrafik darin, dass es jetzt auch möglich ist, nicht nur die Ausführung des Kunstwerks, sondern auch die Konzeption mit Hilfe von technischen Apparaturen vorzunehmen, so bedeutet das in der Tat einen Wendepunkt in der Geschichte der Kunst. Schon der Gebrauch des neuen Instruments übt einen Zwang zur Systematik aus, der in der Kunst bisher kaum üblich war.“
  • „Tatsache ist, daß ein Computer einige grundlegende Eigenschaften aufweist, die traditionelles künstlerisches Werkzeug nicht hatte.“
  • „Die Veranschaulichung mathematischer Zusammenhänge führt zu einem Neuland der Formen, ebenso reichhaltig und variabel wie etwa die durch das Mikroskop erschlossenen Regionen des Mikrokosmos.“
  • „Es ist sogar möglich, die mathematische Methode in einer ganz ungewöhnlichen Form anzuwenden – nämlich nicht für wissenschaftliche, sondern für künstlerisch-gestalterische Zwecke. Dann gilt es zu untersuchen, welche Formen besonderen ästhetischen Reiz haben, wie man sie mit Hilfe mathematischer Formeln beschreibt und durch welche mathematischen Prozesse sie sich weiterverarbeiten lassen.“
  • „Kunst hat immer mit Mathematik zu tun. Jedes Bild kann mathematisch beschrieben werden.“
  • „So gibt es phantastische Möglichkeiten für die Kunst, wobei der Künstler zu einem Schöpfer wird, der, wenn er will, neben den Landschaften und der Architektur auch die physikalischen Grundgesetze ändert. Er schafft Welten, in denen er schwerelos schwebt, sich unsichtbar macht oder durch Mauern hindurch spaziert – und er kann sein Publikum in diese Welten mitnehmen.“
  • „Prinzipiell könnte auch unsere Welt ein Cyberspace sein. Doch das lässt sich weder beweisen noch widerlegen.“
  • „So, wie ich es sehe, beschränkt sich die Möglichkeit, Neues hervorzubringen, nicht nur auf die Evolution des Lebens oder auf das Gehirn, sondern ist eine Fähigkeit, die schon in den Gesetzen unseres Universums festgeschrieben ist.“
  • „Die Vorstellung eines programmierten Universums legt die Frage nach einer Instanz nahe, die das alles geplant und in Szene gesetzt hat. Es […] spricht nichts gegen die Annahme, einer Gruppe von Programmierern sei die Aufgabe gestellt, ein Programm für ein Universum zu schreiben, das dem unseren vergleichbar ist. Was der Automat, den es steuert, leisten soll, ist klar: Er soll eine Welt hervorbringen, die aus sich selbst heraus fähig ist, komplexe und aktionsfähigen Strukturen aufzubauen.