art meets science ist ein Veranstaltungsprojekt zum 80. Geburtstag des Physikers und Künstlers Herbert W. Franke

Virtuelle Ausstellung: Analoggrafiken Virtuelle Ausstellung: Lichtformen Virtuelle Ausstellung: Raumstudien Virtuelle Ausstellung: Ultralicht Virtuelle Ausstellung: Aerogramme

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Kunsthistorische Einordnung der Ausstellung

"Experimentelle Ästhetik" mit Bildern von Herbert W. Franke

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Am 3. Januar 1959 wurde im "Museum für Angewandte Kunst" in Wien eine Ausstellung mit dem Titel "Experimentelle Ästhetik" mit Bildern von Herbert W. Franke eröffnet, deren kunsthistorische Bedeutung erst in den letzten Jahren deutlich geworden ist: als erste Ausstellung in Europa, bei der elektronisch erzeugte Bilder gezeigt wurden, die mit Hilfe von elektronischen Rechensystemen zustande kamen. Sie lief unter dem Namen "Experimentelle Ästhetik", womit sich andeutet, dass in diesen Jahren Kunst und Kunstwissenschaft auch unter anderen Gesichtspunkten Interesse gewannen, als es bisher üblich war. Das zeigte sich unter anderem durch die Hinwendung von Künstlern zu neuen Materialien, zu beweglichen Objekten und zu visuell wirksamen Effekten und den optischen Täuschungen. So führte der Weg fast zwingend auch zur Elektronik.

Zur Ausstattung elektronischer Laboratorien gehört schon seit dem vorigen Jahrhunderts ein Gerät, der Kathodenstrahl-Oszillograf, mit dem man den Spannungsverlauf elektrischer Schwingungen sichtbar machen kann. Hin und wieder ergeben sich dabei grafisch reizvolle Formen, und einige Anwender haben damit Bilder erzeugt, die sie für Designzwecke anboten. Dasselbe Gerät dient aber in jüngerer Zeit auch zur Ausgabe der mit sogenannten Analogrechnern erzielten Resultate, und das war die Grundlage der bildnerischen Experimente von Herbert W. Franke. Das Rechensystem wurde vom Wiener Physiker Franz Raimann entwickelt und gebaut. Von einem Schaltbrett aus konnte man die Parameter für jene Kurven eingeben, die als grafische Elemente dienten und aus denen die Bilder bestehen. Die Schaltung war für interaktiven Betrieb ausgelegt, die Bilder ließen sich unter Sichtkontrolle auf dem Bildschirm entwickeln und in ihrer Bewegung steuern.

Die Umstände bei diesem Schritt in gestalterisches Neuland waren nicht ideal. Als Ausgabegerät stand als Leihgerät ein kleiner Oszillograf eines Elektronikbastlers zur Verfügung, auf dessen Schwarz-Weiß-Bildschirm die Bilder entstanden. Da der Durchmesser der kreisrunden Bildfläche nur fünf Zentimeter betrug und sich der Bild erzeugende Elektronenstrahl nicht scharf fokussieren ließ, bewegte Franke die Kamera bei den Aufnahme oft vor dem Schirm vorbei, was zur gleichmäßig ausgefächerten Linien führte und den Konfigurationen eine charakteristische Struktur gab. Vom verwendeten Ausgabegerät leitete sich auch der Name dieser ab Dezember 1955 entstandene Serie "Oszillogramme" ab.

Als sich H. W. Franke später - 1961/62 - anlässlich von Filmarbeiten erneut die Gelegenheit bot, seinen Analogrechner für visuelle Experimente einzusetzen, stand ihm ein scharfzeichnendes Ausgabegerät mit großem Bildschirm zur Verfügung, mit dem man durch eng aneinander anschließende Linienführung auch Grauton-Verläufe erreichen konnte. Dadurch, bekamen die Bildresultate einen veränderten Duktus - zur Unterscheidung wurden sie als "Elektronische Grafiken" bezeichnet. Im Übrigen gelangte der Film, der "Tanz der Elektronen" heißen sollte, nie an die Öffentlichkeit, da sich der Produzent Rolf Engler weigerte, dem Wunsch der Fernsehanstalt nach einem Auswechseln der begleitenden elektronisch erzeugten Musik nachzukommen.

Wenn auch die elektronisch erzeugten Bilder der Ausstellung die meiste Beachtung fanden, so enthielt die Bildschau der "Experimentelle Ästhetik" doch auch noch andere bemerkenswerte Exponate, deren gemeinsame Eigenschaft die Herkunft ihrer Konzepte aus der Wissenschaft und der Technik war. Erwähnenswert ist auch die Tatsache, dass sich darin in der Person von Herbert W. Franke auch eine historische Komponente, nämlich die auch für die Kunst erfolgende Zuwendung zu elektronischen Medien spiegelt. Für manche Kunsthistoriker und -kritiker kam diese aufkeimende Interesse überraschend, doch hätte man Anzeichen dafür in der Musikszene finden können, bei der der Übergang am Ende der 50er Jahre schon voll angelaufen war. Die Wiener Ausstellung kann auch als Illustration diese Übergangs aufgefasst werden. Das liegt in der Person des Physikers H. W. Franke; er schrieb seine Dissertation über ein Kapitel der Elektronenoptik und bekam daher auf einem der Kunst fern stehenden Weg mit Problemen zu tun, die mit der Aussage und der Qualität von Bildern zu tun haben. Doch so wurde er auf die an vielen Beispielen auffällige ästhetische Qualität der Ergebnisse der wissenschaftlichen Fotografie aufmerksam. Das brachte ihn auf die Idee, dass deren Geräte auch für ganz untypische Weise zu gebrauchen sein müssten: nämlich als Instrumente zur Hervorbringung ästhetischer Strukturen. Man könnte sogar eigens Bilder liefernde Apparate entwickeln, bei denen es weniger auf wissenschaftlich relevante Aussagen als auf ästhetische Wirkungen ankam. An solche Überlegungen schloss sich eine ganze Reihe von Fragestellungen an, die die Kunst selbst, aber auch ihre Zusammenhänge mit Wissenschaft und Technik betreffen.

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Das ist auch der Grund dafür dass sich H. W. Franke der rationalen Kunsttheorie zuwandte; nur dort waren Kenntnisse zu erhoffen, die Konkretes über die von ihm aufgeworfenen Fragen aussagen. Und er begleitete seine Überlegungen im Sinn einer naturwissenschaftliche Denkweise auch mit Experimenten - was sich auch im von ihm geprägten Begriff der "Experimentellen Ästhetik" ausdrückt. Mehrere der von ihm begonnenen Versuchsreihen führten zu Ergebnissen, die durch verblüffende Ähnlichkeit mit Kunstwerken auffallen und somit auch in die Wiener Ausstellung passen.

Die erste dieser Serien von Experimenten war den Prozessen der Schwingungen gewidmet; die Bilder entstanden in Zusammenarbeit mit dem Fotografen Andreas Hübner und gehören der Gruppe "Lichtformen" an (die genauere Beschreibung der für diese Arbeiten angewandten Technik erfolgt im Bildteil). Es folgten Versuche auf der Grundlage der Elastizität und der optischen Interferenzen, und später auch der hochenergetischen elektromagnetischen Strahlung im erweiterten Bereich der Röntgenstrahlung. Auch hier kam es zeitweise zu einer Zusammenarbeit mit Spezialisten, und zwar zuerst mit dem Physiker Paul Fries und später mit dem Röntgentechniker Helmut Volland.

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Natürlich interessierte sich H. W. Franke brennend für die in den 60er Jahren aufkommende digitale Computergrafik, die ab 1965 auch unter dem Aspekt der Kunst diskutiert wurde. In diesem Jahr stellten drei Informatiker unabhängig voneinander digital programmierte Zeichnungen als Kunstwerke vor, und zwar die beiden Deutschen Frieder Nake und Georg Nees sowie der Amerikaner A. Michael Noll. Die Computer waren damals noch teure und platzgreifende Geräte, und deshalb standen sie für künstlerische Experimente nicht ohne Weiteres zur Verfügung. So dauerte es lange, bis H. W. Franke seine Arbeit mit digitalen Systemen beginnen konnte, die inzwischen sein ausschließliches Gestaltungswerkzeug geworden sind. Doch dieser Entwicklung griff die "Experimentelle Ästhetik" der Wiener Ausstellung mit ihren elektronischen Grafiken im Museum für Angewandte Kunst weit voraus. Weil manches davon utopisch anmutete, führte sie zu lebhafter Resonanz, und die die Ausstellung fand das Interesse, das sie sich heute, in der Rückschau, rechtfertigt: Sie wurde anschließend an Wien im Kunstgewerbemuseum Zürich, bei der Fotofair in London und in der Handwerkskammer in München gezeigt.

Ein großer Teil des grafischen Werks von Herbert W. Franke, darunter auch das speziell für die Wiener Ausstellung vorbereitete Material, ging inzwischen in den Besitz der Bremer Kunsthalle über, die unter der Führung des langjährigen Direktors und Kenners elektronisch unterstützter Gestaltung Wulff Herzogenrath zu einem deutschen Zentrum für Computerkunst geworden ist. Mit einer großen Ausstellung wurden speziell das umfangreiche Konvolut der mit Hilfe mechanischer, doch elektronisch gesteuerter Zeichengeräte gefertigten Werke der Öffentlichkeit präsentiert, wozu allerdings die Arbeiten der frühesten Jahre, und damit die in Wien präsentierten Bilder, nicht gehören. Das fünfzigjährige Jubiläum des Frühwerks hätte sich für eine Präsentation angeboten, doch leider befindet sich die Bremer Kunsthalle derzeit im Umbau, so dass der Betrieb ruhen muss. Mit Hilfe des Internets ist es aber möglich, diese Ausstellung nach fünf Jahrzehnten als Beitrag zur derzeit einsetzenden historischen Aufarbeitung dieser Kunstrichtung zumindest virtuell zu zeigen.

Dr. Susanne Päch

Bad Tölz
Marionettentheater

Der Kristallplanet

Das Marionetten-Stück "Der Kristallplanet" von Herbert W. Franke: ein Theaterstück aus der Zukunft für vier Marionetten und multimediale Bühnentricks. Weitere Infos zum Kristallplanet. Das "Making Of" finden Sie auf Hyperrraum.TV

Der Kristallplanet

"art meets science" im
Künstlerhaus Wien

Prof. Herbert W. Franke anlässlich des Pressegesprächs vor der Auftakt-Veranstaltung "art meets science" im Künstlerhaus Wien, die den Titel trug: "Leonardo 3000: die alternative Schöpfung". Dabei ging es unter anderem um die Frage, ob Kunst mittels mathematischer Formeln beschreibbar sei. Frankes Position war dabei eindeutig: Kunst könne man zwar mit Hilfe der Mathematik schon mehr oder weniger gut beschreiben, aber dennoch nicht bewerten, denn dies sei von der Wahrnehmung des einzelnen Individuums als Rezipient der Kunst abhängig.

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